Was der Mensch dem Menschen antut – Geschichte die unter die Haut geht und unser Besuch in Phnom Penh

Kaum etwas hat mich in Kambodscha so sehr gepackt wie die Geschichte des Landes. Und ich finde die zu begreifen und zu erleben ist ganz wichtig, um das Land besser zu verstehen. Wenn man nicht gerade mit den Leuten darüber spricht, kann man sie nirgends besser erleben als in Phnom Penh.

Wir landeten also im Dunkeln in der Hauptstadt und fuhren nur noch ins Hotel, um da ins Bett zu fallen. Wir entschieden uns dafür, direkt zu Beginn ein paar Tage hier zu verbringen, auch wenn wir am Ende auch wieder hierher zurückkommen würden.

Kambodscha Teil 1: Phnom Penh

Phnom Penh Riverside – lädt ein zum flanieren und verweilen

Am ersten Tag haben wir gleich beim Frühstück zwei Dinge gemerkt: Eier können die Kambodschaner. Und es gibt immer und überall Baguette – das Land war eben mal eine französische Kolonie. Kaffee hingegen ist ein Glücksspiel, dass man eher verliert. Tee wiederum ist sehr zu empfehlen. Aber über das Essen lasse ich mich mal noch gesondert aus. Nach dem Frühstück fuhren wir also mit dem öffentlichen Bus für 1$ ins Stadtzentrum. Wir übernachteten hier an der Riverfront. Viel zu spät bemerkten wir, dass wir mitten im Rotlichtviertel waren, aber das war tatsächlich nicht negativ. Nur im Hinblick auf unser Sicherheitsgefühl. Wir haben uns trotzdem wohl dort gefühlt.

Am ersten Tag besichtigten wir das National Museum – hier sind viele Skulpturen aus Angkor ausgestellt. Das war schön, aber das Beste am Museum ist tatsächlich das Museumsgebäude selbst. Der Innenhof strahlt eine wahnsinnige Ruhe aus und war wirklich schön. Bis zu dem Zeitpunkt an dem ich fest stellte, dass ich die Speicherkarte der Kamera vergessen hatte. Aber so was kann man ja zum Glück problemlos ersetzen. Handyläden oder -Stände gab es wirklich an jeder Ecke. Danach ging es zum Royal Palace, einer großen Parkähnlichen Anlage mit verschiedenen tollen Gebäuden die teils bis heute genutzt werden. Den Park darf man begehen, in die meisten Gebäude aber nur von außen reinschauen.

Innenhof im National Museum – Ort der Ruhe und unser eigentliches Highlight des Museums

Royal Palace

 

Die Kambodschaner überraschten uns mit ihrer Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Also ja, der Bus kommt manchmal zu spät ab, aber der Pick up hat immer funktioniert, war immer pünktlich. Und jeder Tuk Tuk Fahrer mit dem wir etwas ausgemacht hatten kam sogar überpünktlich zum Treffpunkt. Selbst morgens um viertel vor Fünf. Und wenn der Fahrer verhindert war hat er einen Kollegen vorbei geschickt. Für mich, deutsche Pünktlichkeit gewohnt, ein großer Pluspunkt!

Die roten Khmer, grausame Geschichte aus jüngster Vergangenheit

Wer mit der Geschichte Kambodschas vertraut ist kann diesen Abschnitt jetzt überspringen. Denn tatsächlich habe ich mich im Vorhinein und unterwegs immer wieder auf Blogs informiert und konnte der Wiederholung der Geschichte irgendwann nichts mehr lesen. Aber es ist wichtig sie zu kennen, wenn man dort ist. Oder so wie in meinem Fall vor Ort zu verstehen. Denn tatsächlich wurden mir die vollen Zusammenhänge erst während der Reise klar. Und es hat mich schockiert, dass ich davon nichts wusste, nichts darüber gelernt hatte. Dabei ist es so grausam, so schockierend und so aktuell.

Es ging also los mit einem Bürgerkrieg und einer Einmischung in den Vietnamkrieg. Und ohne jemanden zu verurteilen, dass ließ sich Amerika nicht gefallen und bombardierte Kambodscha. Tatsächlich ist Kambodscha eins der meist bombardierten Land der Welt. Hier gingen mehr Bomben nieder als im gesamten zweiten Weltkrieg. Als dann 1977 die roten Khmer bzw. Khmer Rouge den Bürgerkrieg gewannen was diesen beendete, war das nur der Auftakt zu etwas viel Schlimmerem. Binnen weniger Stunden begannen sie die Menschen aus der Hauptstadt zu treiben und starteten den größten Auto-Genozid der Geschichte (Autogenozid weil das eigene Volk getötet wurde. Ja, es waren auch Minderheiten dabei, aber vor allem die eigenen Leute). Innerhalb der nächsten drei Jahren und 8 Monaten starben ungefähr 2 Millionen der 8 Millionen Kambodschaner. Entweder direkt getötet durch die Khmer Rouge oder gestorben durch Hunger und Zwangsarbeit. Das Ziel war es das Land zum Agrarkommunismus zu überführen. Ein leicht beherrschbares Bauernvolk zu generieren – hierzu wurden alle gebildeten Leute getötet – wohlgemerkt es reichte eine Brille zu tragen – und aufs Land getrieben, um Reis anzubauen. Dieser Reis wurde quasi vollständig nach China exportiert, um Waffen zu bekommen, so dass wie gesagt viele verhungerten. Nach diesem Terrorregime wurde Kambodscha durch Vietnam „gerettet“. Und doch nur weiter unterdrückt. Und noch bis in die 90er gab es Kämpfe zwischen Vietnam und den Khmer Rouge, die nun wieder eine Untergrundbewegung waren, in Folge derer unter anderem tausende Landminen gelegt wurden. Noch bis heute sind nicht alle beseitigt und regelmäßig gibt es Opfer durch solche Minen. Die touristischen Gebiete sind allerdings mittlerweile alle frei davon. Bis 2025 sollen alle Minen beseitigt sein. So ist zumindest der Plan. 1998 kapitulierten die letzten Kampfverbände und seitdem herrscht theoretisch Frieden.

Die Stupa – Mahnmal und Gedenkstätte. Hier sind tausende Knochen der Opfer gebettet. Alle wurden vorher hinsichtlich Alter, Geschlecht und Todesursache untersucht.

 

Eins der vielen Massengräber. Geschmückt mit Bändchen, um die Toten zu ehren.

Foltergefängnis und Killing Fields

Am zweiten Tag besuchten wir, um eben mehr über die Geschichte zu erfahren, ein paar eindrückliche Schauplätze. Einmal das Tuol Sleng Foltergefängnis. Eine ehemalige Schule, in der tausende Menschen gefangen gehalten und gefoltert wurden. Wohlgemerkt nicht getötet. Ziel war es nur ein Geständnis zu bekommen, egal für welche Straftat, ohne die Gefangenen zu töten. Einen Gefangenen bei der Folter zu töten war absolut unerwünscht. Dazu wurden sie zu den Killing Fields transportiert. LKW-weise wurden Menschen hierhin gekarrt, getötet und in Massengräbern verscharrt. Allein 10.000 Leichen wurden in den Killing Fields in Phnom Penh gefunden. Im ganzen Land gab es aber über 300 solcher Orte des Grauens. Die Leute wurden nicht erschossen, sondern schlichtweg erschlagen, da Kugeln zu teuer waren. Kleinkinder wurden gegen den „killing Tree“ geschlagen, bis sie gestorben sind.

An beiden Orten gibt es wirklich interessante Audioguides, die einem all das näher zu bringen. Und trotz all dieser Berichte und Geschichten über die Opfer, obwohl ich direkt vor Ort stand – die Grausamkeiten konnte ich trotzdem nicht wirklich begreifen. Ich weiß nicht, ob das verständlich ist, aber ich glaube man weigert sich, sich das im vollen Rahmen zu verstehen, um das Grauen zu relativieren.

Silver Pagoda (auf dem Gelände des Royal Palace) im Hintergrund und ein Modell von Angkor Wat im Vordergrund. Da hatten wir noch keine Ahnung wie toll das Original ist!

Es aber zumindest zu wissen ist wichtig, um das Land zu verstehen. Warum teilweise solche Armut herrscht. Warum gerade die „ältere“ Generation kein Englisch kann und es vermutlich noch eine Weile dauern wird, bis das Land sich wirtschaftlich wirklich erholt hat. Diese beiden Schauplätze dienen einerseits als Gedenkstätten (in der Stupa bei den Killing Fields sind tausende Knochen aufgebahrt) und helfen andererseits bei der Aufarbeitung dieser schrecklichen Erlebnisse.

Wat Phnom – ein Tempel mitten in Phnom Penh. Ein hübscher kleiner Tempel, umgeben von Grünanlagen. Für den Verkehr ist die kreisrunde Anlage eine Art gigantischer Kreisverkehr. Phnom bedeutet schlicht Hügel.

Trotz all dem Grauen war Phnom Penh eine wahnsinnig angenehme Stadt, in der wir uns sehr wohl gefühlt haben. Hier kann man viel unternehmen und auch einfach mal die Seele baumeln lassen. Die Riverside lädt wirklich zum Verweilen ein. Und es gibt hier und da kleine Sehenswürdigkeiten die man großteils zu Fuß erlaufen kann. Für die Killing Fields empfiehlt sich aber ein Tuk Tuk. Spaßiger und angenehmer  und vor allem günstiger als ein klimatisierter Touristenbus. Man erlebt nämlich den chaotischen Verkehr hautnah und der Fahrer wartet bis man fertig ist. Man muss sich keiner Gruppe anpassen. Wir hatten hier durch Zufall einen wirklich super Fahrer erwischt. Wir sollten die ganze Reise über Glück haben mit unseren Fahrern. Wer also zufällig in Phnom Penh ist und die Nummer braucht soll sich einfach melden.

Außerdem muss man einen der vielen Märkte besuchen. Der Night Market am Wochenende ist schön, um ein bisschen zu stöbern und etwas zu Abend zu essen. Was man unbedingt besuchen muss ist der Central Market. Ein riesiges Gebäude umgeben von zig Marktständen. Hier gibt es alles was das Herz begehrt. Wir verbrachten unseren letzten Tag dort um noch ein paar Souvenirs einzukaufen und waren sehr erfolgreich.

Ich weiß, der Tipp hat einen Bart, aber: handelt! Unbedingt. Am besten nach dem ersten Preis erstmal weitergehen, denn dann wird es direkt nochmal günstiger.

Zwei bis drei Tage solltet ihr auf jeden Fall in PP bleiben, wenn ihr in Kambodscha seid. Für uns ging es von hier mit dem Bus nach Kratie. Oder zumindest dachten wir, wir würden mit dem Bus fahren. Mehr zu Kratie und den Fortbewegungsmitteln in Kambodscha erzähle ich euch im nächsten Beitrag.

Am Rand des „Kreisverkehrs“

Habt ihr noch Fragen zu Phnom Penh oder zu Kambodscha allgemein? Dann versuche ich bei den nächsten Beiträgen darauf einzugehen.

Bis dann!

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Von | 2018-02-05T19:08:40+00:00 6. Februar 2018|Reisetagebuch, Unterwegs|0 Kommentare

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