Den Titel bitte nicht missverstehen. Es geht nicht um die Schotten speziell auf Skye, sondern um die Schotten allgemein und meine Erlebnisse auf besagter Insel. Wie immer kombiniere ich ein bisschen Reisebericht (zweite Hälfte) mit ein bisschen allgemeinen Gedanken. Wieso ich den Linksverkehr so überhaupt nicht schlimm fand und warum dafür die freundlichen Schotten so entscheidend wichtig waren will ich euch gerne gleich erzählen.

Ausblick über Lochinver

Ich glaube Berichte über Land und Leute lesen sich besser als trockene Gedanken zu Vorbereitungen und Ausstattung. Das ist notwendig, ja, aber nicht unbedingt besonders spannend. Wie ticken die Leute, was war anders, was speziell? Das hat euch auch in Sri Lanka gut gefallen.

Mehrfach wurde ich für eine Schottin gehalten (hab ich glaube schon erwähnt) und daher glaube ich, dass ich mich ganz gut angepasst habe. Oder vielleicht einfach nur gut dazu gepasst habe. Was mich freuen würde, denn ich habe die Schotten durchwegs freundlich erlebt. Nicht nur einfach angenehm, sondern wirklich freundlich.

Irgendwie hatte ich ja mit ein paar grummeligen Schotten gerechnet, aber nein, ich traf auf durchwegs fröhliche Menschen. Selbst der Betrunkene vor dem Supermarkt wünschte lediglich einen schönen Tag. Und als mir ein Vertreter auf der Straße Internet verkaufen wollte hat er sich ganz lieb entschuldigt, als ich ihm erklärt habe, dass ich keine Verwendung für einen Festnetzanschluss in Schottland habe und sich mit „Auf Wiedersehen“ verabschiedet. Bei verschiedensten Führungen (zum Beispiel bei Glenfiddich, in den Smoo Caves oder auch im Stirling Castle) traf ich auf Fremdenführer die mit einer ansteckenden Begeisterung erzählt und unterhalten haben. Das waren wirklich Highlights durch die mir diese Orte in besonderer Erinnerung blieben. In jedem Bed & Breakfast und auch bei den Airbnb Übernachtungen bekam ich tolle Tipps und lernte nette Leute kennen. Klar, in der Kürze der Zeit knüpft man keine neuen Freundschaften, aber durch die Bank waren es interessante Gespräche die mir Land und Leute näher gebracht haben.

Ja, ich mag die Schotten und ihre Begeisterung. Das war richtig ansteckend.

Linksverkehr und Single Track Roads

Auf der anderen Straßenseite verunsichert sicher viele. Also ich habe mir zumindest Gedanken darüber gemacht wie das wohl werden würde. Da nämlich jeder Fahrer extra kostet hatten wir entschieden, dass ich fahren würde. Alles. Immer. Ich hatte ja keine Ahnung, dass das 2000 Meilen bedeuten würde. Und niemand konnte ahnen wie entspannt das trotzdem sein würde.

Ja, die Abfahrt vom Flughafen, genauer gesagt raus aus dem Mietwagen Parkplatz war schon aufregend. Dann gleich mal falsch herum in einen Kreisverkehr. Wissen wir überhaupt schon wo es hingeht? Ja, aber Moment, welche Ausfahrt? Die dritte? Warte, ist ja anders rum, also die erste. Gut, die ist dann jetzt auch schon vorbei. Wieder zurück… Puh, Schnellstraße, erstmal erholen, nur noch gerade aus. Und dann – rechts überholen? Ja, wieso eigentlich nicht, fühlt sich weniger falsch an, als erwartet. So in etwa ging mein Gedankenkarussell in den ersten Minuten. Und dann hatte ich mich eigentlich schon dran gewöhnt. Für Beifahrer scheint die Umgewöhnung schwieriger zu sein. Man kann ja nichts beeinflussen. Ja, ein paar Mal hab ich mich auf der falschen Straßenseite erwischt. Auf Parkplätzen, ohne Markierung oder nach dem Wenden auf selbigen. Und einmal habe ich versucht mit der rechten Hand zu schalten. Daran, dass ich für den ersten Gang den Hebel nach links drücken muss habe ich mich bis zuletzt nicht gewöhnt. Das fand ich einfach komisch und unkommod. Aber fahren kann man so trotzdem. Aufpassen musste ich nur, weil das Auto ja auf einmal links von mir noch weiter ging. Sonst ist es da schließlich zu Ende. Fahrertür und dann nichts mehr.

Wieder zuhause bin ich direkt wieder auf der richtigen Seite in mein Auto eingestiegen. Faszinierend wie das so funktioniert in unserem Hirn. Anstrengend waren eigentlich nur Tage, mit wirklich viel zurückgelegten KM. So wie zum Beispiel bei der Fahrt von Lochinver über den Stac Pollaidh nach Skye.

Auf zur hochgepriesenen Insel Skye

Gestoppt hatte ich mit meiner Erzählung in Lochinver. Für den nächsten Tag stand eine lange Etappe an – weiter bis zur Insel Skye. Ich wollte aber unbedingt zum Stac Pollaidh. Ein wirklich toller Gipfel südlich von unserem Ausgangspunkt. Darum musst da angehalten werden. Die Wanderung um den Gipfel herum war toll, denn der Ausblick über die umliegende Landschaft war gigantisch. Auch wenn alle Berge aufgrund von Wolken auf halber Höhe abgeschnitten waren, wie auf den Fotos zu sehen. Der Weg auf den Gipfel hinauf ist als deutlich anspruchsvoller beschrieben. Nichts was mich von vornherein abgeschreckt hätte, aber auf dem Weg wurde auf mehreren Schildern gebeten nicht weiter zur Erosion der Gipfel beizutragen. Scheinbar gibt es durch den Tourismus schon merklichen Abtrag an den Gipfeln. Da ich es auch nicht drauf angelegt hatte den Berg zu erklimmen, ging ich außen rum.

Lasst einfach die Bilder auf euch wirken, trotz bewölktem Himmel wunderschön. Und wie schon bisher gab es auf dem weiteren Weg einen spontanen Stopp an einem Wasserfall, den wir einfach auf dem Weg entdeckt haben. Solche Pausen tun gut an langen Fahrttagen und vor allem entdeckt man kleine Highlights, die man vielleicht sonst nicht auf dem Schirm gehabt hätte.

Der Stac Pollaidh

Auf der Rückseite des Berges

Skye war die einzige von mir besuchte Schottische Insel. Vor allem weil man sie ohne Fähre, dafür über eine Brücke erreichen kann. Wenn ich wieder nach Schottland fahren würde möchte ich noch mehr Zeit für Inseln einplanen und ein paar Fahrten mit einer Fähre in Kauf nehmen. Dafür braucht man aber eben ein bisschen Zeit. Skye war aber auf jeden Fall einen Besuch wert und ich würde wieder kommen, gerne im Herbst, denn dann sollen die Farben auf der Insel besonders schön sein.

Diesmal waren wir cleverer und versorgten uns schon frühzeitig mit Abendessen, denn wir wussten die Unterkunft würde wieder weit ab vom Schuss sein (schon im ersten Beitrag kurz erwähnt, The Bridge B&B). Und als wir dann am gefühlten Ende der Welt ankamen waren wir wirklich restlos begeistert. Sogar ein wilder Hase schaute mehrfach bei uns vorbei, was mich natürlich besonders gefreut hat, da ich meine Plüschnasen schon vermisst habe. Davon abgesehen war die Lage gegenüber der Küste wirklich schön. Und ich nutzte die Ruhe und die große Badewanne, um meinen Füßen eine Pause zu gönnen. Lustig war, wie groß die Wanne wirklich war. Ich kam mit den Füßen nicht an den hinteren Rand und sank somit ständig komplett ein. Komfortable Zimmer stehen bei mir wirklich eher hinten an bei einer solchen Reise (immerhin bin ich nur zum Schlafen da), aber Skye ist beliebt und dementsprechend gebucht und das war tatsächlich das günstigste freie. Da beklage ich mich natürlich nicht über etwas Luxus.

Wandern am Quairang

Auf Skye waren wir Wandern im Quairang, das stand ganz oben auf meiner Wunschliste. Es gibt mehrere Möglichkeiten hier einzusteigen und man kann auch beliebig viel Zeit da verbringen und ich würde empfehlen, zwar einen Stopp an dem bekannten, typischen Ausblick zu machen (denn der ist wirklich toll), aber wo anders ein bisschen zu wandern. Auch andere Ecken sind schön und da trieben sich wesentlich weniger Leute rum. Wir besuchten den Old man of Storr und das „Skye Museum of Island life“. Das war klein aber fein. Auf dem Weg war das „Duntulum Castle“ angeschrieben, aber das war wirklich nur noch ein kleiner Steinhaufen. Die Aussicht war jedoch hübsch. Da wir um die Ecke übernachtet hatten war die uns aber schon bekannt.

 

 

Vermutlich der bekannteste Blick, wenn man an Quairang bzw. Skye denkt

Auch abseits der Touristenhotspots gibt es schöne Routen

Dunvegan Castle hätte mich noch interessiert, ich wollte aber keinen weiteren Eintritt ausgeben um ehrlich zu sein. Außerdem war die Zeit knapp und ich spazierte lieber am Coral Beach entlang. Ein wunderschöner weißer Strand, aber nicht aus Sand, sondern aus Muschel- und Korallenstücken. Daher der Name. Nach einem kurzen Wegstück kommt man dort an und sieht klares blaues Wasser und mit etwas Glück sogar ein paar Robben. Die Wiese direkt hinter dem Strand wird von Hasen bewohnt (sichtbar an Höhlen und Hasenkötteln), die allerdings schüchterner waren und sich nicht gezeigt haben. Da kann man den Tag wunderbar ausklingen lassen.

Coral Beach

„Lorelai“ oder „die kleine Meerjungfrau“ – die Reaktion bislang aller auf dieses Bild

Wandern an den Fairy Pools

Gespannt war ich auch auf die Fairy Pools, eine Reihe von Wasserfällen, Kaskaden und natürliches Pools an denen man entlang laufen kann. Es gab leider zwei Wehrmutstropfen. Einmal die Touristenmassen, denn es waren viele Leute unterwegs. Aber das hatte sich zum Glück schnell erledigt, denn nach ein paar Minuten fing es an zu regnen und die Meisten drehten um. Das und die Tatsache, dass wir zwar an den Pools hin, aber nicht zurück gelaufen sind machte das Ganze trotzdem zu einem einzigartigen und eher einsamen Tag. Zweite Sache: da es ja während meiner ganzen Reise quasi nie geregnet hat führten viele Wasserfälle kaum Wasser. Schon in den Smoo Caves musste ich das traurig feststellen, hier war der Wasserfall komplett versiegt. Und auch die Fairy Pools führten eher mäßig viel Wasser.

Trotzdem waren die Felsformationen schön anzusehen. An der „Quelle“ angekommen drehten wir dann links weg und wanderten weiter durchs Hochmoor, vorbei an Matschigen Wegen, über federndes, nasses Moos und unter dem wachsamen Blick der Schafe bis wir wieder auf den Weg trafen. Geht man hier ein Stück nach oben, kann man theoretisch nochmal einen kleinen See und Wasserfälle bestaunen. Oder in meinem Fall trockene Flussbetten und dergleichen. Trotzdem ein schöner Weg. Dann ging es zurück zum Auto. Bis auf eine Gruppe französischer Rentner ist uns da auch niemand mehr begegnet.

An den Fairy Pools

Blick auf die gleiche Bergformation von weiter weg

Kylerhea Otter Hide

Außerdem empfehle ich euch euer Glück im Kylerhea Otter Hide zu versuchen. Wir sahen zwar keine Otter, aber viele Robben. Man kann schön durch den Wald spazieren und findet am Ende eine Aussichtsplattform mit Ferngläsern, wo man schön die Natur beobachten kann. Mit etwas Glück kann man sogar Delfine oder verschiedene kleinere Wale beobachten. Ich fand schon die Robben die sich auf den Felsen räkelten toll genug, um den Trip zu rechtfertigen. Denn der Weg nach Kylerhea war mal wieder abenteuerlich. Die Straße war schmal und kurvig und so zog sich die Fahrt entsprechend.

Von Syke ging es nach Fort William, vorbei an einem der bekanntesten Schlösser – das Eilean Donan Castle. Bekannt aus vielen Filmen, vor allem wahrscheinlich durch James Bond. Aber mehr als einen Fotostopp gab es hier nicht für mich. Es standen noch ein paar Schlösser auf der Wunschliste und das leidige Thema Eintritte summiert sich sonst irgendwann.

Fort William ist der Ausgangspunkt, wenn man den Ben Nevis, den höchsten Berg Schottlands, besteigen will. Ob ich das gemacht habe? Das verrate ich euch im nächsten Teil. Eventuell auch schon der letzte Teil meiner Berichte zu Schottland. Denn ja, es geht dem Ende zu. Aber es gibt noch viel zu entdecken, freut euch darauf!

Bis bald.

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