Einmal im Jahr drehe ich ein bisschen durch. Also nicht wörtlich, sondern auf meinem Kopf. Ich nehme mir Mittelaltermärkte zum Anlass etwas (selbst für meine Verhältnisse) ausgefallenes zu flechten. Meist investiere ich da ein bis zwei Stunden rein. So wie diesmal. Herausgekommen ist ein Fünferzopf bei dem vereinzelte Strähnen aus Zöpfen bestehen. Garniert mit Akzentzöpfen und Perlen. Wie ich es gemacht habe und wohin ich es ausgeführt habe erfahrt ihr jetzt.

Ich konnte es kaum erwarten die Frisur mit euch zu teilen und habe schon am Wochenende auf Instagram gespoilert. Trotzdem gibt es hier und heute einen ausführlichen Post darüber und noch mehr Bilder! 

Als ich vor Jahren anfing zu flechten nahm ich das lokale Mittelalterliche Fest zum Anlass mal was richtig aufwändiges zu kreieren. Und im Jahr darauf wieder und wieder und wieder. Das ging soweit, dass mich die Leute jetzt schon ganz erwartungsvoll umdrehen, wenn sie mir begegnen, weil sie wissen wollen „was hat sie diesmal angestellt“. Wirklich. Und das führt außerdem dazu, dass es keine fünf Minuten dauert (zuverlässig, jedes Mal), bis mich jemand frägt: Sind die echt?/ Sind das alles ihre Haare?/ Wie lang sind die offen?/ Haben sie das selbst gemacht?

Ja, ja, mitte Oberschenkel und ja. Freut mich natürlich ungemein, vor allem weil man im normalen Alltag für so etwas vermutlich eher schräg angeschaut wird. Ganz besonders wenn man dann noch erzählt wie lange es gebraucht hat das zu flechten. Aber ganz stolz kann ich sagen das hat kein Friseur gemacht. Sondern ich. Meine Freunde betonen auch jedes Jahr ich müsse mir endlich eine Visitenkarte an den Zopf pinnen. Ähm, ja. Nein.

Anleitung

Ein paar haben schon richtig geraten wie der Zopf gemacht ist. Hier aber nochmal zum mitschreiben:

  • Mein Seitenscheitel sitzt rechts. Von dort habe ich einen Lacebraid links herum bis hinters Ohr geflochten. Dann ohne weitere Haare dazuzunehmen zu Ende flechten. 
  • Unter dem Scheitel, also auf der schmalen Seite habe ich zwei ganz schmale Lacebraids geflochten. Ähnlich wie Cornrows. Sollten nur Akzentzöpfe werden. Alle Zöpfe übrigens französisch. Am zweiten Tag habe ich hier gespart und die gleiche Menge Haare direkt zu einem Akzentzopf geflochten. Sah auch cool aus und war wesentlich einfacher.
  • Hinterhalb des ersten Lacebraids fange ich einen weiteren an, der dann hinter den Akzentzöpfen vorbei rechts herum zum anderen Ohr geht. Wieder bis zum Ende flechten.
  • Links oben am Kopf noch einen kleinen Akzentzopf platzieren.
  • Aus den restlichen Haaren werden drei Partien. Die ganz rechts außen habe ich auch noch zu einem dreisträngigen Zopf geflochten.
  • Aus den drei großen Zöpfen und den zwei losen Haarsträhnen jetzt einen Fünfer machen. Dafür die zwei Lacebraids kreuzen und von rechts oder links außen beginnen mit drüber – drunter – drüber. Immer wieder wiederholen.
  • Die zwei Lacebraids werden zuerst zu Ende gehen. Frühzeitig zu den beiden losen Strähnen hinzufügen und als dreierzopf weiterflechten.
  • Die losen Haare immer wieder etwas pancaken, damit sie am Ende nicht so viel länger sind als die Zöpfe.
  • Jetzt die Akzentzöpfe mit Perlen bestücken und nach Lust, Laune und Augenmaß auf dem Zopf herum weben. Nicht außen herum, sondern wirklich an Rand irgendwo durch die Stränge des großen Zopfes weben damit sie bis nach unten reichen. Perlen immer passend platzieren (oder weglassen wer keine hat.
  • Gehen sie langsam zu Ende strammziehen und auf der Rückseite des Zopfes mit einem kleinen Haargummi zwei oder mehr zusammen binden um sie zu fixieren. Eventuell den unteren Teil des großen Zopfes nochmal aufmachen und die Enden der Akzente miteinflechten
  • Umziehen, los gehts!

Verwendete Perlen sind übrigens diese hier.

Plant je nach Haarlänge genug Zeit ein. Oder lasst die kleinen Zöpfe weg, die brauchen am meisten Zeit. Die Schwierigkeit ist nicht so hoch (abgesehen von den Lacebraids), aber man braucht eben Geduld. Dafür hält das dann auch locker den ganzen Tag. Vielleicht sogar einen zweiten, aber ich mache das am Abend lieber wieder auf.

Meine geheime Superkraft

Beim flechten hatte ich ordentlich Zeit zum nachdenken. Und mir ist aufgefallen, dass es tatsächlich etwas gibt, was ich besonder gut kann im Hinblick aufs flechten. Irgendwie hab ich mich schon öfter gefragt, was das sein könnte. Ja, ich kann Dutts und ja ich kann flechten. Aber da erfinde ich jetzt nicht das Rad neu. Aber was ich wirklich gut kann ist mit einem ganz groben Plan in meinem Kopf losflechten, zig Zöpfe kreieren und am Ende alles zu einer tollen Kreation zusammenfassen. Das ist auch etwas, dessen bin ich mir durchaus bewusst, wofür meine Haarstruktur sehr geeignet ist. Ich hab Haar auf dem Kopf, eine ziemliche Menge sogar und das lässt sich für solche Zwecke super zigfach unterteilen. Ja ich weiß, dass geht nicht für jeden. Aber abseits aller Tutorials und Haarpflegetipps ist der Blog eben auch dazu da zu zeigen, was mir Spaß macht. Und für euch auch einfach mal nur zum gucken. Und vielleicht etwas inspirieren lassen, denn ich weiß viele von euch haben solche Kreationen von mir schon nachgebaut und auf ihre Haare angepasst. Das freut mich immer besonders!

Wo war das jetzt also zu sehen? Auf dem lokalen Lagerleben, dass Teil des sogenannten Tänzelfests ist. Und auf den Kaltenberger Ritterspielen. Da bin ich auch übrigens demnächst nochmal anzutreffen. Nur mal so. Vielleicht denke ich mir ja nochmal eine andere Frisur aus.

Und jetzt seid wie immer ihr dran. Gefällt es euch? Was gefällt euch nicht? Habt ihr noch Vorschläge und Inspirationen für eine weitere Frisur? Das hier entstand nämlich aufgrund eurer Anregungen auf meine Nachfrage auf Instagram hin: kein Dutt, unbedingt ein Zopf, viele verschiedene Zöpfe, Akzentzöpfe, Lagertha und auch der „dänische Zopf“ aus dem Langhaarnetzwerk waren eure Schlagworte. Das hab ich draus gemacht. Und falls ihr mögt sind hier Links zu Frisuren der vorhergehenden Jahre.

Bis bald!

Premiere mit geflochtenen Dutts und Bändern | Arwen Braid | Half Up mit Fischgräte | Lace Braid Half up | Half up mit vierer und Kordeln |  Fünfer Classics | Elastic Braid